Orientierungslos - Grillparty Lyrensee

Kennst du diese Tage, an denen man das Gefühl hat, nichts geschafft zu haben? Meistens liegt es daran, dass man nicht weiß: „Wo, in aller Welt, soll ich nur anfangen den riesigen Berg an Arbeit zu schaffen?“ Bei mir liegt es auch oft dran „So, jetzt nimm dir diesen Vormittag und ENTSPANN DICH, sofort, jetzt! Nachher geht es mit dem Stress weiter, also nutze jetzt diese Zeit, AUF DER STELLE! Mach endlich die schönen Dinge, die du schon so lange verschieben musstest!“

 

Es ist Samstag, endlich, ich habe die ganze Woche diesen Tag sehnlichst erwartet. Endlich kein Zeitdruck, endlich Ausschlafen, endlich in Ruhe meinen Kaffee trinken, Zeit mit meinem Ehemann verbringen und vor allen Dingen: endlich KEIN WECKERKLINGELN! Ich wache früh auf, wälze mich im Bett, ich schmiede Pläne für den heutigen Tag. „Wenn ich jetzt gleich aufstehe, kann ich um 9 beim Wochenmarkt sein, dann zum Biomarkt, dann zum Bauhof, dann gibt es zuhause um halb 12 rum gemeinsames Frühstück, dann könnte ich endlich mal wieder Nähen, ach, nein, Mist, da war ja noch der Bügelberg, und, argh, die Mail an meine Kollegin muss auch noch raus.“ Ich drehe mich nochmal um, und schlafe ein. Eine Stunde später, ärgere ich mich tierisch, dass mein ganzer Tagesplan jetzt schon, in so früher Stunde, den Bach runtergeht. Alles verzieht sich mindestens um eine Stunde. Vorausgesetzt, wir beeilen uns jetzt und der Ansturm in der Stadt, in der wir einkaufen gehen, hält sich in Grenzen. Das ist nie so, wenn wir zu spät loskommen brauchen wir mindestens eine halbe Stunde länger, weil der halbe Landkreis in der Stadt tummelt. Mein Schatz dreht sich zu mir, denn er weiß schon, dass ich kurz vor einer typischen „Samstagsmorgenkrise“ stehe. „Schatz, es ist Samstag, du hast frei, entspann dich mal!“ Und ich weiß, tief in meinem Inneren, JETZT hast du die Chance, nochmal die Kurve zu bekommen. Denn entweder stehe ich jetzt auf, wie von einer Tarantel gestochen, laufe rum wie ein verrücktgewordenes Huhn, will alles sofort auf die Reihe bekommen, zum Guten wenden, oder? Ich bleibe ganz gechillt, warte bis wir gemeinsam aufstehen und beginne den Tag so, wie es sich eigentlich gehört: RUHIG. Oft, ja zu oft, bekomme ich die Kurve nicht, ich springe also auf, laufe orientierungslos herum und versuche alles auf einmal zu erledigen. Wochenplan, Putzplan, Schulaufgaben, Dinge, die mir Spaß machen. Wenn man das so von außen betrachtet, kann es gar nicht funktionieren? Alles gleichzeitig und dann auch noch entspannen?

 

Und nein, es funktioniert auch nicht. Also, ich schaffe das schon, sehr viel, auf einmal. Nach dem Einkauf, nach dem Frühstück falle ich aber wieder fix und fertig ins Bett. Körperlich fix und fertig, weil ich mir fast ein Bein ausgelaufen habe, aber auch psychisch, denn NICHTS von all diesen Dingen, habe ich gut und anständig gemacht. Zu viel gewollt, zu schlecht umgesetzt. Katastrophenalarm für die Laune am Samstag! „Ich kann nichts, alles läuft schief“. Ich ziehe also die Bettdecke bis zum Kopfanschlag und ziehe mir irgendeinen schnulzigen Frauenfilm rein, der mich, in meiner ach so schlechten Lage, versteht!

 

Kennt ihr das? Oder bin ich die einzige auf diesem Planeten mit diesen Samstagen? Doch wie schaffen wir es, entspannt, ruhig, ausgeglichen zu sein und trotzdem unsere Aufgaben zu erledigen?

 

Ich habe keine Lösung, aber am heutigen Sonntag durfte ich eine Predigt hören, die mich sowas von angesprochen hat. Es ging um die Jünger, die am Lyreesee abhingen. Die Tage waren turbulent, Jesus war gekreuzigt worden, er ist auferstanden und ihnen schon zweimal erschienen. Doch es war nicht mehr so wie früher, nicht mehr ihr gewohnter Alltag mit Jesus unterwegs zu sein und vom großartigen Schöpfer zu erzählen. Sie hingen also rum (oh, wie sehr mich das in meine Samstagssituationen erinnert). Da kommt ein Jünger auf die Idee: „Dann gehen wir halt fischen, bevor wir hier nur so rumhängen“. Die anderen kommen mit, vielleicht war es richtig, wieder ihren alten Berufen zu praktizieren. Doch… sie fingen NICHTS! Null Erfolg! Jetzt haben sie sich schon aufgerafft und es ist nichts gscheids bei rumgekommen (wie gut ich das kenne!). Hört euch die Predigt an! Es lohnt sich wirklich. Und stellt euch vor? Jesus veranstaltet am Ufer ein großes Grillen. Fisch und Brot und viel Liebe und Zeit. Das ist es doch, dass mir so oft fehlt in den Stresssituationen, die Liebe zum Detail, die Zeit die schönen Kleinigkeiten am Samstag in mich aufzusaugen. Nicht die Augen auf den leeren Netzen zu haben, sondern auf Jesus der sagt: „Komm, lass und gemeinsam dieses Brot brechen und gemeinsam in Ruhe frühstücken.“ „Wirf dein Netzt auf der anderen Seite des Bootes aus, und du wirst reich beschenkt, mehr als du brauchst.“ Meinen Tag mit Jesus zu beginnen, mit ihm „gemeinsam zu frühstücken“, mit Fröhlichkeit den Duft des Kaffee´s in mich saugen, die farbenfrohen und wunderschönen Obst- und Gemüsesorten am Wochenmarkt zu genießen, den Geschmack von den knusprigen Brezen durch meinen ganzen Körper strömen zu lassen. Und nicht hektisch: Kaffeedose auf, zack, bum, Einkaufsliste abhacken, schnell futtern. NEIN! Liebe und Zeit!

 

Passend zu den drei Oberpunkten der Predigt habe ich Lesezeichen gestaltet, die könnt ihr euch hier anschauen und kostenlos herunterladen!