Was kannst du eigentlich?

Wenn ich an bestimmten Projekten sitze, kommt immer dieser Zeitpunkt, bei dem ich totale Zweifel bekomme. Mittlerweile weiß ich schon, dass ich durch diese Phase durch muss, trotzdem wirft sie mich immer wieder aus der Bahn und so versaue ich mir mal einen Abend, mal einen Tag, manchmal auch mehrere Tage. "Du kannst doch eh nix", "Die anderen machen das viel besser", "Jetzt kommst du auch noch mit einem Blog daher, es gibt doch schon so viele", "niemand will sich dein Zeug anschauen" oder: "du bist und wirst nie perfekt auf dem Gebiet".

Ja, ich möchte Erfolg sehen, die Früchte meiner Arbeit ernten und mir fällt es schwer zu sagen: "Es ist ok so wie es ist". Manchmal scheint es, als würden Projekte über Monate nicht wachsen, man wird immer wieder an den Anfang zurück geworfen. Und das liegt meistens am Zweifel. An den bohrenden Gedanken "Was kannst du eigentlich?". Ich versuche mir dann bewusst zu machen, dass ich ja schon was kann. Aber ich will ja nicht nur können, sondern es richtig richtig gut können. Ich glaube, ich habe verlernt "normal-sein" zu akzeptieren. Mein ständiges Streben weiter zu kommen, noch erfolgreicher zu werden, noch besser vorbereitet zu sein, noch schöner zu musizieren, noch genialere Rezepte zu erfinden, noch weniger Müll zu kaufen und alles noch besser im Griff zu haben, drängt mich immer weiter in die Rolle des Perfekten. 

 

Und wenn dann was nicht klappt, fällt mein ganzes Kartenhaus ineinander. Und manchmal dauert es eben, bis ich Karte für Karte wieder aufgehoben habe und mir wieder bewusst mache: Du bist wertvoll und du MUSST DAS NICHT PERFEKT KÖNNEN! 

 

Letzte Woche ging es mir so, der Blick auf den Kalender verriet mir, dass ich jeden Abend in der Woche unterwegs sein werde. Nur Dienstagabend, der gehörte mir. Der Tag war schon von vorne bis hinten schrecklich, in der Arbeit war es stressig und anstrengend und als ich abends zuhause war, lies ich mich mit einem große Seufzen ins Bett fallen - was für ein Tag. Meine Gedanken gingen hin und her: Entweder du liegst jetzt hier bis morgen früh oder du machst noch was für DICH. Die Entscheidung viel mir schwer, doch ich raffte mich auf, ich wollte diese Chance des freien Abends nicht verpassen, denn der nächste Dienstag ist 7 Tage hin - bis dahin ist keine Zeit dafür mehr übrig. Ich setzte mich in mein Arbeitszimmer und versank in einem neuen Klamottenstück, dass ich mir nähen wollte. Nach drei Stunden war es so weit: Ich konnte es anziehen. Ich war stolz, dass ich nicht im Bett rumlag, sonder noch was für mich genäht habe. Ich lief vor den Spiegel und verfiel in SCHOCKSTARRE. Was war das? ESFM (EinStückfürdenMüll)??!!?? Der Kommentar von meinem Mann gab mir den Rest: "Sieht aus wie ein Schlafanzug!" Das hat gesessen. Da rafft man sich nach einem Tag noch auf, nimmt die letzte Energie und was kommt bei raus: NICHTS.... Ich wollte ein tolles Klamottenstück nähen, am Abend glücklich und zufrieden ins Bett fallen, weil ich es geschafft habe, den Tag zu retten und mal wieder an der Nähmaschine gesessen zu haben, doch...Pustekuchen. Null Erfolg! Ich habe die Nähmaschine jetzt aufgeräumt, mir reichts erstmal.

 

 

Kennst du auch diesen struggle mit deinen Gaben und Aufgaben?  Du willst es ja machen und dann scheiterst du doch immer wieder?  Du strengst dich an und dann kommt doch nicht das bei herum, was du dir vorgestellt hast?

Dann muss ich dir sagen: Du bist völlig normal! 

 

Hör auf zu denken du musst perfekt sein! Hör auf an dir rumzunörgeln und mit einem kritischen Blick auf das zu schauen, was du nicht gemacht oder geschafft hast. Akzeptiere deine Normalheit. Du musst nicht die beste, schönste und erfolgreichste Frau auf Erden sein. Und die wirst du auch nie sein, egal wie sehr du dich anstrengst. Du bist gut so wie du bist und du bist schön so wie du bist! Setz deine Prinzessinnenkrone auf und geh erhobenen Hauptes durch das Leben, denn sonst verrutscht dir Krone. Und der, der sie dir aufgesetzt hat, dein himmlischer Schöpfer, ist traurig, wenn du selbst auf dir rumhakst, er hat dich doch erschaffen und sich so viel für dich überlegt! Er hat Liebe in dich hineingesteckt, er hat dich (deinen Körper und deine Seele) wunderbar geformt, er hat dir Gaben geschenkt, die dich weiter bringen sollen, die du Schritt für Schritt ausbilden darfst, nicht von Null auf Hundert perfekt beherrschen musst.

Du bist es ja auch, der meinen Körper und meine Seele erschaffen hat, kunstvoll hast du mich gebildet im Leib meiner Mutter. Psalm 139, 13