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Der Superfood-Supergau - ein Anti-Trend -

Es ist Winter und jeder will gesund bleiben. Aber klar! Einfach einen Teelöffel grünes Algenpulver aus China einnehmen, in das morgendliche Müsli ein paar Goji-Beeren aus Asien und Chia-Samen aus Mexiko, mittags eine aufgeschnittene Avocado in Quinoa aus Südamerika und nicht zu vergessen - wir süßen nur noch mit Kokosblütenzucker aus Indonesien.

Klar, wir wollen gesund bleiben und so ein Superfood verspricht ja schon viel! "So viele Mineralstoffe wie in keinem anderen Gemüse" "die ideale Zusammensetzung der Aminosäuren" "die Wunder-beere" - gerade in der Veganer-Szene wird mit so einigem um sich geworfen. Besonders gerne kommt die Avocado auf den Tisch. Und ja, ich liebe sie auch und trinke auch Kaffee aus Afrika, ich weiß, dass selbst die Kartoffel mal nicht heimisch war, aber muss denn die grüne Superfood-Frucht jede Woche in meinem Einkaufswagen landen?  Brauche ich all diese Superbeeren und Supernüsse, wenn hier der Walnussbaum um die Ecke wächst und wir im Herbst Hagebutten ernten können? 

1. Superfood zerstört regionalen Vertrieb!

Nehmen wir das Beispiel Zucker. Wir brauchen ihn alle, gerade jetzt in der Weihnachtszeit. Die eine mehr, die anderen weniger. Ist euch mal aufgefallen, welche Zuckersorten mittlerweile bei uns angeboten werden? Allein unser Biomarkt, der wirklich klein ist, bietet SO viele Sorten an: Kokosblütenzucker, Rohrohrzucker, Rohrzucker, Birkenzucker, Ahornsirup, Agavendicksaft, usw. Und jetzt kommts: Keinen Bio-Rübenzucker. Die Zuckerrübe ist heimisch, wächst in Bayern, hier ums die Ecke wird er angebaut. Aber Bio-Rübenzucker gibt es bei uns im Edeka/Kaufland (von Südzucker).

2. Superfood ist oft überbelastet mit Giftstoffen!

Wie wollen wir, bei dieser langen Transportkette noch nachprüfen, wo und wie das Superfood angebaut wurde? Gerade Beeren sind  oft Pestizidbelastet. Blaubeeren importieren wir bis in den Oktober aus anderen Ländern, damit unsere Instagram-Bilder schöner aussehen oder wir noch genug Antioxidantien bekommen. Beeren kann man übrigens super selbst pflücken und einfrieren. Bei Pfaffenhofen gibt es sogar ein Blaubeerfeld.

3. Superfood erhöht die Preise für die Einheimischen!

Das letzte halbe Jahr kaufe ich ehrlich keine Avocado mehr. Ich finde es erschreckend, wir wir es geschafft haben, dass sich selbst ein Einheimischer keine Avocado mehr leisten kann, weil wir die Preise, durch unseren Avocado-Boom, so hoch getrieben haben. Es werden wie wild Plantagen aufgebaut um unserer Nachfrage stand zu halten. Aber ist das wirklich der Sinn? 

4. Superfood ist vielleicht voller guter Nährstoffe, ABER...

...manche Nährstoffe sind lichtempfindlich.

...manche Nährstoffe sind hitzeempfindlich.

...manche Nährstoffe sind erst in der reifen Furcht vollständig.

 

Werden diese nicht vorher unter Hitze getrocknet? In hellen Verpackungen angeboten? Unreif geerntet, damit sie noch "schön" bei uns ankommen? Also wie viele Nährstoffe, besonders Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe sind dann noch übrig? Eine Bekannte hat ihren Doktortitel der Biologie über die Sekundären Pflanzenstoffe geschrieben. Wir haben uns erst letztens darüber unterhalten und es ist echt krass, wieschnell diese kaputt gehen! Also am Besten frisch ernten und gleich essen (man, freue ich mich schon wieder aufs Erdbeerfeld).

So, jetzt habe ich so viel Negatives aufgezählt. Was ist denn jetzt die Alternative?  Muss ich auf alles verzichten und den ganzen Winter Kohl und Kartoffeln futtern? Und ich sage nein. Erstmal musst du gar nichts. Du darfst. Das ist schon Mal eine wichtige Grundeinstellung. Du darfst aus dem tollen regionalen Angebot so viel auskosten wie geht, Rezepte ausprobieren, aus dem vollen schöpfen und dich umso mehr wieder auf die Beerenzeit, Kürbiszeit, Spargelzeit usw. freuen. Schokolade, Kaffee, Ingwer oder Grüntee sind auch nicht heimisch und zählen ja auch irgendwie zu den Superfoods. Ich habe für mich entschieden, dass es die Menge macht. Ich kaufe, wo geht, heimisch und regional ein. Ich experimentiere so gerne mit dem, was die Natur gerade zu bieten hat und ich wünsche mir, dass auch wieder mehr Menschen anfangen, diese Produkte zu schätzen. Grünkohl, Rosenkohl, Sauerkraut, Walnüsse, Äpfel, Maronen, Rote Beete, Karotten haben doch schon längst nicht mehr den Alt-Oma-Ruf wie früher. Probiers doch aus - und damit du gleich eine Idee hast, habe ich hier unser Sauerkraut-Favoriten-Rezept. So lecker und voll mit regionalem Superfood und voll mit Vitaminen und Mineralstoffen. Und hier kommst du zu meinem Grünkohlsalat mit Kürbisdip Rezept.

 

Also zum gesund bleiben braucht es nicht das grüne Algen-Pulver, sondern eine kräftige Portion regionaler Superfoods, die bis oben hin gefüllt sind mit allem was du brauchst. Vielleicht treffen wir uns ja am Samstag am Wochenmarkt zum Superfood-Shopping? 

 

Lasst es euch schmecken,

eure Kiki