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5-Sterne-Bewertung - wirklich so hilfreich?

"Bewerten Sie bitte Ihr kürzlich erworbenes Produkt". So oder so ähnlich erreichen uns die Nachrichten, nachdem man etwas im Internet gekauft hat. Wir werden dazu aufgefordert dem Produkt Sterne zwischen 1 und 5 zu vergeben. 5 Sterne für völlige Zufriedenheit, 4 Sterne wenn etwas nicht 100 %ig den Vorstellungen entsprach, 3 Sterne bei z. B. fehlerhafter Lieferung und so weiter. Jeder kennt das! Ich vergesse meistens das bewerten, aber bevor ich etwas kaufe, durchforste ich die Kommentare und Bewertungen der anderen und bilde mir so eine Meinung. Ich finde es also meistens ziemlich praktisch! Aber wisst ihr, was mir auffällt? Wir bewerten noch viel mehr, als irgendwelche Produkte!

Stell dir vor, es ist Weihnachten und du bist gerade dabei, deine Geschenke auszupacken.....

 

...du reisst das Geschenkpapier voller Freude auf, denn du weißt, in diesem Päckchen befindet sich etwas, dass du dir gewünscht hast und worüber du dich sehr freust. 

 

...Oma hat auch wieder etwas geschickt, der obligatorische Schlafanzug. Du weißt nicht so recht, sollst du dich freuen?! Ja, du versuchst krampfhaft Danke zu sagen.

 

Aber schaut mal her: Egal, ob es das Wunschgeschenk oder der Schlafanzug ist, beide Schenker haben sich die Mühe gegeben, dir etwas liebevoll auszusuchen, es einzupacken, es womöglich auch noch zu schicken. Ist da der Schlafanzug nicht nur ein Schlafanzug, sondern ein totaler Liebesbeweis deiner Oma? Hat sie nicht einen Weg auf sich genommen um ihn zu kaufen, sich über deine Größe informiert oder deine Lieblingsfarbe recherchiert, aber so, dass du nichts davon mitbekommen hast? Und dann sitzt du da, vor dem Geschenk, und siehst nur: ICH BRAUCHE KEINEN SCHLAFANZUG!

 

Das ist doch sooo  traurig. 

 

Und so geht es mir mit der Bewertung. JEDER der sich in irgendeiner Hinsicht engagiert, sei es Gemeinde, in der Arbeit, in Vereinen oder in Organisationen hat Herzblut hinein gesteckt. Der Prediger, der am Sonntag predigt, hat sich lange überlegt, welches Thema er wählt, wie er es aufbaut, was er sagt. Und wenn es genau deiner Lebenssituation entspricht, dann freust du dich doch, wie bei dem 1. Geschenk, weil es dir gut tut und es dich voran bringt. Aber wenn du es als trocken empfindest, oder gar nichts damit anfangen kannst, dann kommt es dir vielleicht vor wie das "Schlafanzug-Geschenk". Aber der Prediger hat sich doch trotzdem unfassbar viel Mühe gemacht, hatte vielleicht schlaflose Nächte und jetzt kommen wir und Bewerten in unserem Sterneraster. Und wenn es besonders gut ist, traut man sich zu ihm hinzugehen und ihm das zu sagen und, wenn es besonders schlecht war, sucht man auch das Gespräch. Alles in der Mitte wird so hingenommen und es wird nicht groß darüber geredet, oder gar als selbstverständlich hingenommen. Aber auch ein mittelmäßiges Geschenk ist nicht selbstverständlich.

 

Wir haben letztens einen Ausflug gemacht.. Zwei haben sich super viel Mühe gemacht und ihn wirklich schön organisiert. Aber ich habe echt gedacht, ich höre nicht richtig, als dann die Kommentare kamen: "Der Wanderweg war viel zu weit" "Das Restaurant war zu teuer " "Immer diese langen Tage, hätte man den nicht auch kürzer gestalten können?" "Der will nur Anerkennung ernten" "Letztes Jahr wars schöner" "Könnten wir nicht mal was anderes machen?". Ganz ehrlich, wenn ich diesen Ausflug organisiert hätte wäre ich einfach nur sauer, wütend und demotiviert. Konstruktive Kritik ist das eine, aber solche Bewertungen bringen doch nichts voran - nein - sie bremsen sogar aus. Wir konnten doch alle froh sein, dass die beiden sich darum gekümmert haben. 

 

Ich möchte nochmal betonen, dass ich es 1. wichtig finde, über entscheidende Themen anständig zu reden und 2. konstruktive Kritik in einem gewissen Rahmen ok ist. Aber wir sollten uns wieder trauen Danke zu sagen und uns über jeden zu freuen, der etwas tut. Ich nehme mir aufjedenfall für die Zukunft vor, wieder mehr Menschen dafür zu danken, wenn wie etwas voranbringen, sich wo engagieren, denn nur so können wir die Welt verändern und verhalten uns nicht als Bremser!

 

Und wenn du mal demotiviert bist, weil dich jemand bewertet hat, dann lass dir gesagt sein:

Gott bewertet dich nicht nach deiner Leistung. Er schaut dich liebevoll an und sagt: Du bist kostbar und geliebt, so wie du bist, mein Kind!

 

Eure Königstochter Kiki

...setzt euch mit aller Kraft für das Werk des Herrn ein, denn ihr wisst ja, dass nichts, was ihr für den Herrn tut, vergeblich ist. 1. Korinther 15,58